Ist der Gips ein Auslaufmodell?

Die moderne Unfallchirurgie verfügt mit Platten, Schienen und vielen weiteren Werkzeugen über eine breite Palette an Möglichkeiten, Brüche zu behandeln. Der Gips wird immer öfter, aber nicht in jedem Fall von Alternativen wie Schienen ersetzt.

 

Früher wurde bei einem Knochenbruch ein Gipsverband oft auch über angrenzende Gelenke hinweg angelegt und das meist für eine lange Dauer. Die Folge: Die Muskeln verkümmerten, weil sie lange nicht gebraucht wurden. Der sogenannten Muskel-Atrophie ist jedoch nicht das einzige Problem. Heute weiß man, dass das Ruhigstellen von Gelenken eine Versteifung bewirken kann. Nur mit intensiver und langwieriger Physiotherapie kann in diesem Fall die ursprüngliche Beweglichkeit wiederhergestellt werden.

 

Vorteile von Schienen

In der modernen Unfallchirurgie liegt der Fokus auf der möglichst frühen Mobilisation der Gelenke. Das kann beispielsweise durch Funktions-Orthesen erreicht werden. Sie geben Halt, erlauben aber teilweise Bewegungen, sodass der Körperteil beweglich bleibt und weniger Muskulatur abgebaut wird. Zudem können Schienen etwa bei der Körperpflege oder der Physiotherapie abgenommen werden. „Der Gips kommt weiterhin bei komplexen Knochenbrüchen zum Einsatz, die eine komplette Ruhigstellung erfordern. So können die Knochen wieder korrekt zusammenwachsen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Gips aber nach einer gewissen Heilungszeit von einer Schiene ersetzt werden. Der Gips ist also kein Auslaufmodell, aber er wird nun eher für kürzere Zeiträume eingesetzt“, so Primar Dr. Hubert Steckholzer, Unfallchirurg am Klinikum Bad Hall + Bad Schallerbach und Ärztlicher Leiter am Standort Bad Schallerbach (vormals Schallerbacherhof).


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Magazin rehaZEIT (Ausgabe 2021)